Der Biber wird erwartet

Biber im Reinhardswald

Der Naturschutzbund Altkreis Hofgeismar beantragte im Jahr 2007 die Ansiedlung von 10 Biberfamilien im Reinhardswald.

Nachdem in den Flusssystemen von Elbe, Donau, Main und Rhein wieder stabile Biberpopulationen zu finden oder im Aufbau sind, wird das Weserflusssystem auf absehbare Zeit ohne Biber bleiben, da eine natürliche Besiedlung Jahrzehnte dauern wird. Die von der Sinn in die Fulda wandernden Tiere sind nicht zahlreich genug und zu eng miteinander verwandt, um eine genetisch stabile und ausreichend starke Population aufbauen zu können.

 

Die systematische Ansiedlung von Bibern hingegen kann sicherstellen, dass über eine ausreichende Anzahl genetisch nicht verwandter Tiere eine gesunde und lebensfähige Population entstehen und durch ein entsprechendes Management konfliktvermeidend vorbereitet und gesteuert werden kann. Eine Ausbreitung über die nahen Grenzen nach Niedersachsen und Westfalen ist dabei nicht unerwünscht.

 

Der Biber, früher in dieser Region heimisch, kann zu einer erheblichen Aufwertung des Naturraums beitragen. Durch die notwendige Anpflanzung von Weichgehölzen in bestimmten Bachauenabschnitten, die Biberbauwerke und die Ernährungsweise des Bibers wird sich schon in wenigen Jahren die Artenvielfalt wesentlich erhöhen. Gedacht ist hierbei an Wasserpflanzen, am Wasser lebende Pflanzen, Amphibien, Wasservögel, viele vom Wasser abhängige Insektenarten bis hin zum Schwarzstorch.

 

Biberburg
Biberburg

Die Biberbauwerke tragen zu einer Stabilisierung der Wasserhaushalte in den Bachauen bei. Die Gefahr von Überschwemmungen und Verschlammungen bei Starkniederschlägen wird zumindest erheblich reduziert.

Der Naturraum Reinhardswald wird durch den Biber auch für den naturerlebnis-suchenden Menschen erheblich an Attraktivität gewinnen und damit seinen Stellenwert im sanften Tourismus steigern. Eine durch planmäßige Öffentlichkeitsarbeit vorbereitete und begleitete Biberansiedlung führt zu einem Imagegewinn für Hessenforst und die ganze Region.

 

Die Verwendung von finanziellen Mitteln aus Ausgleichsmaßnahmen für Grundstücks-ankäufe in den Bachauen des Reinhardswaldes ist zwar nicht unbedingt Voraussetzung der beantragten Maßnahme, führt aber sicher zu einer Konfliktminimierung gegenüber privaten Grundeigentümern.

 

Nach den Vorstellungen des NABU kann die Ansiedlung der Biber in zwei Phasen erfolgen. In einer ersten, 5 Jahre dauernden Vorbereitungsphase, müssten geeignete Ansied-lungsräume ausgewählt, Grundstücke angekauft, notwendige Ergänzungspflanzungen vorgenommen, die Biberquartiere vorbereitet, die Biberbeschaffung eingeleitet und geeignete Mitarbeiter für das spätere Bibermanagement geschult werden. Die zweite Phase beinhaltet die Biberbetreuung in ihren Lebensräumen. Hierzu gehören eine Bestands-überwachung, das Konflikmanagement, Schadensregulierung, Siedlungslenkung und Führungen interessierter Besuchergruppen.

 

Der Naturschutzbund Altkreis Hofgeismar hat in Informationsveranstaltungen auch mit Behördenvertretern, Forstverwaltung und Bürgermeistern der Region breite Zustimmung erfahren und geht davon aus, dass dieses Projekts als Gemeinschaftsprojekt der Region Reinhardswald zusammen mit Behörden, Städten und Gemeinden realisiert werden kann.